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Zwei OEKO-TEX®-Zeichen, zwei Geschichten: Was sie beim Hotelhandtuch sagen

Zwei vertraute OEKO-TEX®-Zeichen können auf demselben Angebotsblatt sehr verschiedene Fragen beantworten. Wir übersetzen sie in eine Entscheidung, die zum Hotelhandtuch passt.

Ein unmarkiertes weißes Frottierhandtuch neben zwei leeren Anhängekarten, die mit olivgrüner Kordel und einer kleinen Messingschließe verbunden sind
Die leeren Anhängekarten zeigen keine Zertifikate, keine Lieferkette, keinen QR-Code und keine Aussage zu der dargestellten Handtuchvariante.
In diesem Artikel

Im Termin liegen zwei Angebotsblätter nebeneinander. Auf dem einen steht OEKO-TEX® STANDARD 100, auf dem anderen MADE IN GREEN. Das zweite Zeichen wirkt auf den ersten Blick wie die größere, grünere Antwort. Es ist aber kein Upgrade-Knopf für ein Handtuch. Die beiden Labels erzählen unterschiedliche Teile derselben Beschaffungsfrage.

Wir würden die Wahl daher nicht über die Farbe eines Logos treffen. Zuerst fragen wir: Was möchten wir über genau diese Handtuchvariante belegen? Geht es um die Schadstoffprüfung des Artikels? Soll ein nachverfolgbarer Produktionsweg eine Rolle spielen? Oder steht eigentlich eine ganz andere Sorge im Raum, etwa der Griff nach der Wäsche? Erst dann werden aus zwei Zeichen zwei brauchbare Unterlagen.

STANDARD 100 bleibt bei der Schadstofffrage

Wenn die Frage lautet, was am fertigen zertifizierten Artikel im Rahmen der Schadstoffprüfung bewertet wird, schauen wir auf STANDARD 100. Der Standard definiert schädliche Stoffe über Höchstwerte oder über Stoffe, die bei normaler und vorgesehener Nutzung entstehen können. Er wählt seine Prüfparameter risikobasiert aus. Damit hat das Zeichen einen klaren Gegenstand – und genau darin liegt sein Nutzen.

Der Rahmen endet bewusst vor anderen Erwartungen. STANDARD 100 nennt sein Zeichen kein Qualitätslabel und macht unter anderem keine Aussage zur Gebrauchstauglichkeit oder dazu, wie ein Artikel auf Reinigungsprozesse reagiert. Wer ein Hotelhandtuch für einen bestimmten Wäscheweg auswählt, behält diese Frage also beim Muster, Datenblatt und der zuständigen Wäscherei.

MADE IN GREEN baut eine zweite Ebene auf

MADE IN GREEN fängt nicht bei null an. Der Standard verlangt für jeden gelabelten Artikel ein gültiges Zertifikat nach STANDARD 100, ORGANIC COTTON oder LEATHER STANDARD, das zu diesem Artikel passt. Dazu kommen gültige STeP-Zertifikate für die Konfektionsbetriebe und für Komponenten ab fünf Prozent des Gesamtgewichts. Das Label fügt dem Artikel damit eine Produktions- und Lieferkettenebene hinzu.

Diese Ebene ist genauer, als ein allgemeiner Satz wie „nachhaltig produziert“ vermuten lässt. Für eine Artikelgruppe verlangt der Standard dieselbe Lieferkette, identische Produktionsprozesse, vergleichbare Komponentenanteile sowie dieselbe Produktkategorie und Funktion. So steht eine Produkt-ID für eine abgegrenzte Gruppe von Waren statt für eine lose Idee.

Zwei Zeichen, zwei Fragen – und eine offene Hotelentscheidung
Wenn wir wissen wollen …… liefert dieses Label einen AnsatzOffen bleibt für das Hotel
Welche Schadstofffrage am zertifizierten Artikel im Standardrahmen bewertet wirdOEKO-TEX® STANDARD 100Ob die konkrete Frottierware zum Raum, zur Haptik und zum geplanten Wäscheweg passt.
Ob zur gelabelten Ware ein passender Basisnachweis und die geforderten STeP-zertifizierten Produktionsstufen gehörenOEKO-TEX® MADE IN GREENOb das Handtuch deshalb länger hält, besser trocknet oder für eine bestimmte Wäscherei geeignet ist.
Welche dokumentierten Produktionsstätten und Länder zur Produkt-ID hinterlegt sindMADE IN GREEN Label Check mit Produkt-ID oder QR-CodeOb jede Liefer- oder Umweltaussage außerhalb des dokumentierten Scopes gerechtfertigt ist.

Die Produkt-ID macht den Weg prüfbar

Bei MADE IN GREEN kann eine Produkt-ID oder ein QR-Code im Label Check zu den hinterlegten Produktionsstätten und Ländern führen. Für eine Ausschreibung oder einen Nachhaltigkeitsbericht ist das viel konkreter als ein Bild aus einer Fabrik. Wir würden die ID trotzdem nicht als Ersatz für die Angebotsprüfung behandeln. Erst die Verbindung zu Artikelkennung, Format, Farbe und Ausführung zeigt, ob die sichtbare Information wirklich dieselbe Ware meint, die im Hotel landen soll.

Das hält die Kommunikation angenehm einfach. Ein Haus kann sagen, dass für die benannte Variante ein MADE-IN-GREEN-Nachweis samt Produkt-ID vorliegt. Es sollte nicht daraus machen, dass die gesamte Lieferkette aller eigenen Textilien, jede Beschaffungscharge oder die Umweltwirkung des Hotelaufenthalts damit abgedeckt sei. Eine klare Grenze ist hier kein verlorener Marketingpunkt, sondern eine Aussage, die beim nächsten Nachfragen noch steht.

Das zweite Label macht kein besseres Handtuch

Bei zwei Labels rutscht schnell ein Komfortversprechen mit auf den Tisch: Dann muss dieses Tuch doch auch weicher, haltbarer oder besser waschbar sein. Die Standards geben diese Aussage nicht her. MADE IN GREEN ergänzt die dokumentierten Produktionsbedingungen und Rückverfolgbarkeit. STANDARD 100 ordnet die Schadstoffprüfung ein. Keines der beiden Zeichen ist ein Test für Griff, Wasseraufnahme, Polschlinge oder die Reaktion auf die eigene Wäschechemie.

Wir behalten deshalb zwei Unterlagen neben dem Muster. Die Zertifikatsakte beantwortet die gewünschte Nachweisaussage. Das Muster beantwortet die sichtbare und haptische Wahl im Raum. Und wenn der Hotelalltag eine bestimmte Leistung braucht, formuliert das Team diese Frage getrennt. So muss kein Label etwas versprechen, das niemand an diesem Handtuch geprüft hat.

Die Auswahl braucht zwei Ordner

Für die Freigabe genügen zwei kurze Ordner. Im ersten liegt der Nachweis: Artikelvariante, Zertifikatsbezug, Produkt-ID und die Aussage, die das Haus daraus ableiten darf. Im zweiten liegt die Produktentscheidung: freigegebenes Muster, Einsatzbereich und die noch offene Frage an Datenblatt oder Wäscherei. Wer diese Ordner trennt, verliert keine Information. Er verhindert nur, dass eine Lieferkettenaussage plötzlich als Leistungszusage durchgeht.

Casa Aurea Kontext: Die Beschaffungsfrage an der Variante halten

Quellen & Methode

Worauf sich dieser Beitrag stützt

Die Quellen stützen die im Beitrag erläuterten Unterscheidungen. Sie ersetzen weder eine produktspezifische Prüfung noch eine rechtliche oder fachliche Beratung.

  1. OEKO-TEX® Association: OEKO-TEX® STANDARD 100, Edition 01.2026OEKO-TEX® STANDARD 100 definiert schädliche Stoffe im Zusammenhang mit festgelegten Höchstwerten oder Stoffen, die während normaler und vorgeschriebener Nutzung entstehen können, und nennt risikobasierte Prüfparameter. Das Zeichen bezieht sich auf den hergestellten zertifizierten Artikel; über die Zertifikatsnummer lässt sich prüfen, ob die Anforderungen von Anhang 4 oder Anhang 6 zugrunde lagen. Der Standard bezeichnet das Zeichen ausdrücklich nicht als Qualitätslabel und sagt unter anderem nichts über Gebrauchstauglichkeit oder das Verhalten bei Reinigungsprozessen. Ein STANDARD-100-Zertifikat belegt eine Prüfung nach diesem Standard; es dokumentiert nicht allgemein jeden eingesetzten Prozessstoff, keine vollständige Chemikalienfreiheit, keine vollständige Lieferkette, keine Umweltbilanz und keine Leistungszusage für ein konkretes Hotelhandtuch. Abgerufen am .
  2. OEKO-TEX® Association: OEKO-TEX® MADE IN GREEN, Edition 01.2025Für ein MADE-IN-GREEN-Label muss der Artikel über ein gültiges, zum Artikel passendes STANDARD-100-, ORGANIC-COTTON- oder LEATHER-STANDARD-Zertifikat verfügen. Zusätzlich verlangt der Standard gültige STeP-Zertifikate für Konfektionsbetriebe und für Komponenten ab 5 % des Gesamtgewichts. Artikelgruppen benötigen dieselbe Lieferkette, identische Produktionsprozesse, vergleichbare Komponentenanteile sowie gleiche Produktkategorie und Funktion. Jede Ware trägt eine eigene Produkt-ID; über die ID oder den QR-Code können Herstellungsstätten und Länder in der Label Check nachvollzogen werden. Der Standard bestätigt keine Qualität, Funktion, Gebrauchstauglichkeit, Hotelwäsche-Eignung, vollständige Umweltbilanz oder Leistung einer konkreten Handtuchvariante. Abgerufen am .

Herausgegeben von

Casa Aurea Redaktion

Herausgegeben von Casa Aurea B.V.
Die Casa Aurea Redaktion veröffentlicht fachlich nachvollziehbare Beiträge zu Hoteltextilien, Material, Pflege und Beschaffung. Sie stellt keine individuelle Fachberatung oder unabhängige Prüfung dar.
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Häufige Fragen

Häufige Fragen zu STANDARD 100 und MADE IN GREEN bei Hotelhandtüchern

Ist MADE IN GREEN einfach STANDARD 100 mit einem grünen Logo?

Nein. Für das MADE-IN-GREEN-Label braucht der Artikel ein gültiges STANDARD-100-, ORGANIC-COTTON- oder LEATHER-STANDARD-Zertifikat sowie STeP-zertifizierte Produktionsstufen. STANDARD 100 selbst bleibt bei seiner Schadstoffprüfung am zertifizierten Artikel.

Kann ein QR-Code bei MADE IN GREEN die Lieferkette zeigen?

Über die Produkt-ID oder den QR-Code im Label Check lassen sich die hinterlegten Produktionsstätten und Länder zur gelabelten Ware nachvollziehen. Das Hotel sollte die Information dennoch mit der eigenen Artikelvariante, ihrem Format und ihrer Ausführung abgleichen.

Ist ein MADE-IN-GREEN-Handtuch automatisch nachhaltiger als jedes STANDARD-100-Handtuch?

Die beiden Standards haben unterschiedliche Gegenstände. MADE IN GREEN dokumentiert zusätzliche Anforderungen an Produktionsstufen und Rückverfolgbarkeit; STANDARD 100 ordnet die Schadstoffprüfung ein. Eine vollständige Umweltbilanz oder ein allgemeines Nachhaltigkeitsurteil für eine konkrete Handtuchvariante folgt daraus nicht.

Sagen die Labels etwas über die Industriewäsche aus?

Nein. STANDARD 100 bezeichnet sein Zeichen nicht als Qualitätslabel und sagt unter anderem nichts über Reinigungsprozesse. MADE IN GREEN ergänzt diese Aussage nicht um eine Freigabe für einen Hotel- oder Vertragswäscheweg.

Welche Unterlagen sollte Einkauf neben dem Label ablegen?

Für die konkrete Variante gehören mindestens Artikelkennung, Format, Farbe oder Ausführung, der zugehörige Zertifikatsbezug und bei MADE IN GREEN die Produkt-ID in dieselbe Akte. Die sichtbare Musterfreigabe und die offene Wäschefrage bleiben getrennt dokumentiert.