HOSPITALITAS

5 Liter pro Kilo – wann eine Wäscherei-Zahl wirklich vergleichbar ist

Eine niedrige Zahl im Angebot ist noch keine gute Nachricht. Wir erklären, wann Liter und Kilowattstunden pro Kilo dieselbe Wäsche beschreiben – und wann nicht.

Drei unmarkierte weiße Frottierhandtücher neben einem leeren Verbrauchsblatt, Bleistift und einem Messzylinder mit Wasser auf einer ruhigen Edelstahlfläche
Die Aufnahme zeigt Handtücher, ein unbeschriftetes Blatt und einen Messzylinder. Sie zeigt keine Messung, keinen Verbrauchswert, keinen Wäschebetrieb und kein Casa-Aurea-Produkt.
In diesem Artikel

Auf dem ersten Angebotsblatt stehen 4,8 Liter Wasser pro Kilo. Auf dem zweiten 0,95 Kilowattstunden pro Kilo. Beide Zahlen sehen vernünftig aus. Im nächsten Jour fixe sollen sie entscheiden helfen. Genau dort wird es heikel: Die Zahlen können nur dann miteinander sprechen, wenn sie dieselbe Wäsche und denselben Weg meinen.

Wir mögen diese Kennzahlen. Sie machen einen unsichtbaren Prozess besprechbar. Aber sie brauchen einen Rahmen. Ein Handtuch aus dem Zimmerbad, Tischwäsche aus dem Restaurant und ein gemischter Wäscheposten sind keine austauschbaren Nenner. Auch „pro Kilo“ verrät noch nicht, ob Wasser über den ganzen Waschzyklus erfasst wurde oder ob Energie bis zum getrockneten und fertig bearbeiteten Textil reicht.

Fünf Liter sind kein Siegel

Der sektorale EU-Referenzrahmen für Tourismus nennt Wasserverbrauch je Kilogramm Wäsche und Energieverbrauch je Kilogramm Wäsche als Kennzahlen je genutzter Wäscherei. Für großmaßstäbliche Wäsche beschreibt er Benchmarks of Excellence: höchstens 5 Liter Wasser je Kilogramm Textil für Beherbergungswäsche und höchstens 9 Liter für Restaurantwäsche, jeweils über den vollständigen Waschzyklus.

Das Wort „Benchmark“ ist hier wichtiger als die hübsche 5. Der Wert ist eine Referenz in diesem BEMP-Rahmen. Er sagt nicht, dass jede Zahl darunter automatisch gut ist. Er sagt auch nicht, dass eine Zahl darüber einen schlechten Dienstleister beweist. Zuerst muss geklärt sein, ob die genannte Wäsche tatsächlich Beherbergungswäsche ist und ob der vollständige Waschzyklus auf dieselbe Weise gezählt wurde.

Die EU-Werte haben jeweils einen klaren Gegenstand
Kennzahl im EU-ReferenzrahmenDer dort genannte BezugWas ein Hotel vor dem Vergleich noch wissen muss
Wasser: 5 L/kg TextilBeherbergungswäsche in großmaßstäblichen Wäschereien; vollständiger Waschzyklus.Welche Textilien der Dienstleister in dieser Zahl als Beherbergungswäsche führt und ob der ganze Waschzyklus erfasst ist.
Wasser: 9 L/kg TextilRestaurantwäsche in großmaßstäblichen Wäschereien; vollständiger Waschzyklus.Ob Tisch- oder Küchenwäsche mit Hotelhandtüchern gemischt oder getrennt ausgewertet wurde.
Energie: 0,90 kWh/kg TextilBeherbergungswäsche; getrocknete und fertig bearbeitete Produkte.Ob die vorgelegte Zahl dieselbe Prozessgrenze und denselben Ausgabepunkt verwendet.
Energie: 1,45 kWh/kg TextilRestaurantwäsche; getrocknete und fertig bearbeitete Produkte.Ob die Textilgruppe wirklich dieser Einordnung entspricht und welche Angaben für den betrachteten Zeitraum fehlen.

„Pro Kilo“ braucht einen Namen

In vielen Runden scheitert der Vergleich nicht an einer komplizierten Formel. Er scheitert an einem fehlenden Satz. „4,8 Liter pro Kilo“ klingt vollständig, bis jemand fragt: pro Kilo welcher Ware, an welchem Punkt und in welchem Zeitraum? Dann liegt vielleicht plötzlich Zimmerwäsche neben Restaurantwäsche. Oder der Wasserwert endet am Waschzyklus, während die Energiezahl bis zur trockenen, fertig bearbeiteten Ware reicht. Beides kann korrekt sein. Zusammen ist es noch kein Vergleich.

Wir würden die Zahl deshalb nicht wegdiskutieren. Wir würden sie beschriften. Eine sauber beschriftete Zahl ist für Einkauf und Nachhaltigkeit viel brauchbarer als eine glattere Zahl ohne Rand. Sie kann später wiederholt werden. Sie kann sich auf eine Angebotsposition beziehen. Und sie zeigt offen, welche Frage der Dienstleister noch beantworten muss.

  1. Die betrachtete Textilgruppe nennen: etwa Zimmerhandtücher, sonstige Beherbergungswäsche oder Restaurantwäsche – nur soweit der Dienstleister diese Einteilung tatsächlich verwendet.
  2. Den Zeitraum dazuschreiben. Ein ruhiger Monat und ein saisonaler Spitzenmonat sind nicht dieselbe Beobachtung.
  3. Bei Wasser festhalten, ob die Zahl den vollständigen Waschzyklus bezeichnet.
  4. Bei Energie festhalten, ob sie bis zu getrockneten und fertig bearbeiteten Produkten reicht.
  5. Bei jeder Zeile markieren, ob die Angabe gemessen, aus einer Dienstleisterauskunft übernommen oder noch offen ist.

Ausgelagert verschwindet nicht aus der Bilanz

Bei externer Wäsche kommt oft ein zweiter Kurzschluss hinzu: Was beim Dienstleister passiert, sei für das Hotel nicht mehr sichtbar. Die HCMI-Methodik für Hotel-Klimabilanzen sieht das anders. Sie behandelt Energie der Eigenwäsche innerhalb der Hotelbilanz und verlangt, Emissionen aus ausgelagerter Wäsche einzubeziehen. Vorrangig sollen dafür Daten des Dienstleisters aus demselben Berichtszeitraum genutzt und dem Hotel nach Volumen oder Umsatz zugeordnet werden.

Das ist keine Wasserregel und keine Aufforderung, einen Dienstleister wegen einer einzelnen Zahl zu wählen. Für den Gesprächstisch ist die Logik trotzdem nützlich: Ein ausgelagerter Prozess braucht eine nachvollziehbare Zuordnung. Wer Strom, Emissionen oder eine andere Kennzahl aus mehreren Betrieben zusammensetzt, muss sagen, welchen Anteil das Hotel betrachtet. Sonst vergleicht das Haus eine eigene Messung mit einem fremden Ausschnitt.

Der Datenzettel für die nächste Runde

Die folgende Rückfrage ist absichtlich klein. Sie verlangt keine Betriebsgeheimnisse und unterstellt keinem Anbieter etwas. Sie sorgt nur dafür, dass die Zahl aus dem Angebot nicht ohne Kontext in ein Nachhaltigkeitsziel, eine Entscheidungsvorlage oder einen öffentlichen Claim wandert.

So wird aus einer Kennzahl eine prüfbare Dienstleisterauskunft
Auf dem Blatt stehtDie hilfreiche RückfrageEine ehrliche Antwort kann auch sein
L/kg WasserFür welche Textilgruppe, welchen Zeitraum und welchen vollständigen Waschzyklus gilt dieser Wert?„Diese Abgrenzung liegt uns noch nicht vor.“
kWh/kg EnergieBis zu welchem Prozesspunkt reicht die Zahl: Wäsche, Trocknung oder fertig bearbeitete Ware?„Die Prozessgrenze ist noch zu klären.“
Wert für einen externen ServiceWelcher Anteil des Dienstleisters wird unserem Hotel für denselben Zeitraum zugeordnet?„Eine hotelbezogene Zuordnung ist noch nicht erstellt.“
Vergleich mit einer zweiten ZahlBeschreiben beide Zahlen dieselbe Wäschegruppe und denselben Endpunkt?„Die Werte sind noch nicht direkt vergleichbar.“

Der letzte Satz ist keine Niederlage. Er spart dem Hotel eine viel teurere Verwechslung: aus einem sauberen Messwert eine Aussage zu machen, die er nie tragen sollte. Wenn die Unterlagen später vollständig sind, kann die gleiche Tabelle noch einmal auf den Tisch. Dann vergleichen die Beteiligten nicht zwei hübsche Zahlen, sondern zwei klar benannte Prozesse.

Casa Aurea Kontext: Erst den Textilumfang trennen

Quellen & Methode

Worauf sich dieser Beitrag stützt

Die Quellen stützen die im Beitrag erläuterten Unterscheidungen. Sie ersetzen weder eine produktspezifische Prüfung noch eine rechtliche oder fachliche Beratung.

  1. European Union, EUR-Lex: Commission Decision (EU) 2016/611 – Best Environmental Management Practice for the Tourism SectorDer sektorale EU-Referenzrahmen für Tourismus führt Wasserverbrauch je Kilogramm Wäsche und Energieverbrauch je Kilogramm Wäsche als Kennzahlen je genutzter Wäscherei. Für großmaßstäbliche Wäsche nennt er als Benchmarks of Excellence höchstens 5 L Wasser je kg Textil für Beherbergungswäsche und 9 L je kg für Restaurantwäsche, jeweils über den vollständigen Waschzyklus. Für getrocknete und fertig bearbeitete Produkte nennt er höchstens 0,90 beziehungsweise 1,45 kWh je kg Textil. Die Werte gehören zu einem abgegrenzten BEMP-Rahmen; sie sind keine gesetzliche Vorgabe, keine Preis-, Qualitäts- oder Hygienegarantie und keine Aussage zu einer einzelnen Handtuchvariante oder einem konkreten Dienstleister. Abgerufen am .
  2. Sustainable Hospitality Alliance: Hotel Carbon Measurement Initiative, Version 1.2Die HCMI-Methodik behandelt Energie aus einer Eigenwäscherei innerhalb der Hotelbilanz und verlangt, Emissionen aus ausgelagerter Wäsche in die Vergleichsbilanz einzubeziehen. Vorrangig sollen Hotels dazu Daten ihres Dienstleisters für denselben Berichtszeitraum einholen und ihren Anteil nach Volumen oder Umsatz zuordnen. Die Methode ist ein GHG-Reportingrahmen, keine Kostenrechnung, keine Aussage über Wasser, Qualität, Transport oder eine wirtschaftlich bessere Wäschereiform für ein einzelnes Hotel. Abgerufen am .

Herausgegeben von

Casa Aurea Redaktion

Herausgegeben von Casa Aurea B.V.
Die Casa Aurea Redaktion veröffentlicht fachlich nachvollziehbare Beiträge zu Hoteltextilien, Material, Pflege und Beschaffung. Sie stellt keine individuelle Fachberatung oder unabhängige Prüfung dar.
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Häufige Fragen

Häufige Fragen zu Wasser- und Energiekennzahlen der Wäscherei

Sind 5 Liter Wasser pro Kilo eine gesetzliche Vorgabe für Hotelwäsche?

Nein. Der EU-Referenzrahmen nennt 5 Liter je Kilogramm Textil als Benchmark of Excellence für Beherbergungswäsche in großmaßstäblichen Wäschereien über den vollständigen Waschzyklus. Der Wert ist keine allgemeine gesetzliche Vorgabe und keine Garantie für einen einzelnen Betrieb.

Kann ein Hotel 4,8 und 6 Liter pro Kilo direkt vergleichen?

Nur wenn beide Werte dieselbe Textilgruppe, denselben Zeitraum und dieselbe Prozessgrenze beschreiben. Fehlt eine dieser Angaben, bleibt der Vergleich offen. Eine niedrigere Zahl allein ist kein Qualitäts- oder Kostenurteil.

Muss eine externe Wäscherei Wasser und Energie pro Kilo offenlegen?

Die verwendeten Quellen schreiben hier keine allgemeine Offenlegungspflicht für jeden Dienstleister vor. Sie geben dem Hotel jedoch klare Kennzahlen und Prozessgrenzen, nach denen es fragen kann. Fehlt die Auskunft, sollte diese Lücke im Vergleich sichtbar bleiben.

Beweist ein niedriger Energieverbrauch, dass die Handtücher besser aufbereitet werden?

Nein. Die verwendeten Kennzahlen bewerten keine konkrete Handtuchvariante und sagen nichts über Griff, Farbe, Wasseraufnahme, Hygiene, Lieferfähigkeit oder Kosten aus. Diese Punkte müssen separat für die Ware und den vorgesehenen Prozess geklärt werden.